Weniger Eigentumswohnungen auf dem Markt: Was Verkäufer jetzt über die Nachfrage wissen sollten
Wer aktuell eine Eigentumswohnung verkaufen möchte, trifft grundsätzlich auf ein knappes Marktumfeld. Neue Marktdaten zeigen jedoch auch: Nicht jede Wohnung lässt sich automatisch zu jedem Preis verkaufen.
In der Schweiz ist das Angebot an Eigentumswohnungen zuletzt deutlich zurückgegangen, während gleichzeitig mehr Menschen aktiv nach Wohneigentum suchen.
Für Eigentümer ist diese Kombination grundsätzlich positiv. Besonders wichtig ist aber ein genauer Blick auf das Preissegment der eigenen Immobilie.
Angebot an Eigentumswohnungen sinkt um 9,6 Prozent
Gemäss einer aktuellen Auswertung in der September-Ausgabe der Immobilienfachzeitschrift Immobilia wurden im zweiten Quartal 2026 schweizweit noch gut 38’000 Eigentumswohnungen angeboten.
Im gleichen Quartal des Vorjahres waren es noch rund 42’100 Wohnungen.
Das entspricht einem Rückgang des Angebots von 9,6 Prozent innerhalb eines Jahres.
Auf der Nachfrageseite entwickelte sich der Markt gleichzeitig in die entgegengesetzte Richtung.
Die Zahl der Suchabos auf grossen Schweizer Immobilienportalen stieg von rund 52’000 im zweiten Quartal 2025 auf 54’000 im zweiten Quartal 2026 – ein Plus von 3,5 Prozent.
Was bedeutet das für Verkäufer?
Vereinfacht gesagt treffen derzeit:
weniger angebotene Eigentumswohnungen auf mehr aktive Suchende.
Für Verkäufer kann das grundsätzlich eine gute Ausgangslage sein.
Ein knappes Angebot kann dazu führen, dass attraktive Wohnungen mehr Aufmerksamkeit erhalten und passende Käufer schneller gefunden werden.
Aber die neue Analyse zeigt auch deutlich, dass die Entwicklung nicht für alle Immobilien gleich ist.
Günstigere Wohnungen besonders stark gefragt
Realmatch360 hat Angebot und Nachfrage zusätzlich nach Preissegmenten ausgewertet.
Dabei zeigt sich ein klares Muster: Die Nachfrage ist besonders in den günstigeren Preissegmenten gestiegen.
Gleichzeitig ging dort auch das Angebot besonders deutlich zurück.
Damit werden erschwinglichere Wohnungen zunehmend zur Mangelware.
Für Eigentümer einer Wohnung im unteren oder mittleren Preissegment kann das bedeuten, dass aktuell vergleichsweise viele Interessenten auf relativ wenige Angebote treffen.
Für Eigentümer einer Wohnung im unteren oder mittleren Preissegment kann das bedeuten, dass aktuell vergleichsweise viele Interessenten auf relativ wenige Angebote treffen.
Bei teuren Immobilien sieht die Situation anders aus
Eine wichtige Einschränkung liefert die Studie jedoch ebenfalls.
Bei höherpreisigen Immobilien stieg die Nachfrage zwar ebenfalls, aber deutlich weniger stark.
Gleichzeitig sank das Angebot in diesen Preisklassen weniger stark – teilweise nahm es sogar zu.
Die Autoren kommen deshalb zum Schluss, dass die Vermarktung teurer Immobilien in einzelnen Bereichen zunehmend an Grenzen stösst.
Für Verkäufer bedeutet das:
Ein knapper Gesamtmarkt ist keine Garantie dafür, dass ein sehr hoher Angebotspreis akzeptiert wird.
Warum die richtige Preiseinschätzung gerade jetzt wichtig ist
In einem Markt mit knappem Angebot kann die Versuchung gross sein, den Verkaufspreis möglichst hoch anzusetzen.
Bei einer Wohnung mit guter Lage und hoher Nachfrage kann eine ambitionierte Preisstrategie durchaus funktionieren.
Liegt der Preis jedoch deutlich über der Zahlungsbereitschaft der relevanten Käufergruppe, kann sich die Vermarktungsdauer verlängern.
Gerade im oberen Preissegment ist deshalb entscheidend, nicht nur auf allgemeine Aussagen wie «Immobilien sind knapp» zu vertrauen.
Relevant sind vielmehr:
- - tatsächlich vergleichbare Angebote in der Region,
- - aktuelle Nachfrage nach diesem Immobilientyp,
- - Lage und Mikrolage,
- - Zustand und Ausbaustandard,
- - finanzielle Möglichkeiten der potenziellen Käufer,
- - und der gewählte Angebotspreis.
Für Verkaufswillige: Der Markt ist gut – aber selektiver als er wirkt
Die neuen Daten sprechen grundsätzlich für Verkäufer.
Das Angebot an Eigentumswohnungen ist innerhalb eines Jahres deutlich gesunken und die Zahl aktiver Suchender gestiegen.
Gleichzeitig zeigt die Analyse aber, dass sich Käufer stärker nach Preissegment unterscheiden.
Eine Wohnung im gut finanzierbaren Segment kann aktuell auf sehr starke Nachfrage treffen. Bei einer hochpreisigen Immobilie kann dagegen eine deutlich sorgfältigere Positionierung notwendig sein.
Deshalb lässt sich aus schweizweiten Marktzahlen allein noch kein optimaler Verkaufspreis ableiten.
Warum mehrere Maklereinschätzungen sinnvoll sein können
Makler, die regelmässig in einer bestimmten Region tätig sind, sehen oftmals sehr direkt, welche Objekte derzeit gefragt sind und welche Preisvorstellungen Käufer tatsächlich akzeptieren.
Dabei können unterschiedliche Makler durchaus zu unterschiedlichen Einschätzungen kommen.
Über Makli können Eigentümer kostenlos und unverbindlich Angebote verschiedener Immobilienmakler vergleichen – einschliesslich der Einschätzung zur Immobilie, zur Vermarktungsstrategie und zu den Leistungen.
Gerade in einem Markt, in dem Nachfrage und Zahlungsbereitschaft je nach Preissegment auseinanderlaufen, kann dieser Vergleich dabei helfen, die eigene Immobilie realistischer einzuordnen.
Fazit
Der Schweizer Markt für Eigentumswohnungen bleibt aus Verkäufersicht attraktiv.
Innerhalb eines Jahres sank das Angebot im zweiten Quartal 2026 um 9,6 Prozent, während die Zahl der Suchabos um 3,5 Prozent stieg.
Besonders knapp sind Wohnungen in den günstigeren Preissegmenten.
Bei hochpreisigen Objekten ist die Situation dagegen differenzierter. Dort wächst die Nachfrage weniger stark und die Vermarktung kann anspruchsvoller sein.
Für Eigentümer bedeutet das: Ein guter Markt ersetzt keine gute Preisstrategie. Entscheidend ist, wie die eigene Immobilie im lokalen Markt und innerhalb ihres konkreten Preissegments positioniert ist.
Quelle: Immobilia / SVIT Schweiz, Ausgabe September 2026, «Leerwohnungsziffer fällt unter 1 Prozent», Andy Egger, Realmatch360. Datengrundlagen: Wüest Partner, Realmatch360 und Bundesamt für Statistik.